Liebe Leser*innen
herzlich willkommen zur 44. Ausgabe des AK Rohstoffe Newsletters!
Die Weihnachtszeit rückt näher, und wir blicken auf ein aufreibendes Jahr zurück. Denn der Einsatz für Menschen- und Umweltrechte findet aktuell unter erschwerten Bedingungen statt.
Der AK Rohstoffe trat auch in diesem Jahr für eine global-gerechte und sozial-ökologische Transformation sowie für eine Rohstoffwende ein. Dies stand Forderungen vieler deutscher Unternehmen und des BDI nach mehr Deregulierung, Versorgungssicherheit und dafür nötige finanzielle Absicherung durch den Staat gegenüber. Doch Menschenrechte und Umweltschutz sind zentrale Grundlagen globaler Gerechtigkeit, die auch als weltweite Risiko- und Konfliktverhinderung in Lieferketten verstanden werden müssen.
Ein neues PowerShift Hintergrundpapier beleuchtet dazu die Verbindung zwischen Klimapolitik und Rohstoffwende anhand der Auswirkungen des industriellen Bergbaus in der Amazonasregion.
Ich verabschiede mich an dieser Stelle aus der Koordination und gebe nach einem aufregenden Jahr das Koordinationsbüro zurück in die Hände von Hannah Pilgrim.
Wir wünschen euch allen einen harmonischen Übergang ins neue Jahr und freuen uns darauf, auch im nächsten Jahr gemeinsam für eine nachhaltige Rohstoffwende einzutreten!
Solidarische Grüße aus dem Koordinierungsbüro
Constantin Bittner & Jules Strahlmann
FOKUS: Niob – ein Metall zwischen Energiewende, Hightech und Aufrüstung
Was ist Niob eigentlich – und warum ist es so heiß begehrt?
Die Europäische Union stuft Niob als kritisches Metall ein, denn seine Qualitäten und Eigenschaften sind in vielen Schlüsseltechnologien gefragt:
Es erhöht die Festigkeit von Stahl und könnte dadurch Gewichtseinsparungen von bis zu 20 Prozent ermöglichen. Außerdem macht der Zusatz von Niob Materialien hitze- und korrosionsbeständiger. Das ist relevant für Pipelines, Brücken, Offshore-Anlagen oder im Fahrzeugbau. Darüber hinaus wird Niob in der Magnet- und Elektrotechnik sowie in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt und wegen seiner Biokompatibilität für Implantate und medizinische Prothesen genutzt.
Mit steigender Aufrüstung in vielen Ländern, insbesondere der USA, China, Russland und der EU geht es aber nicht mehr nur um die zivile Anwendung, sondern auch um die Deckung steigender Bedarfe für militärische Anwendungen. Dadurch wird Niob zu einem Metall im Spannungsfeld von Sicherheit und geopolitischen Interessen.
So wird Niob zunehmend von der Rüstungsindustrie nachgefragt: für Turbinen in Kampfjets und Helikoptern, für Raketenantriebe, für U-Boote und für neuartige Hyperschallwaffen, die mit ihren hohen Geschwindigkeiten und wenig vorhersehbaren Flugbahnen schlechter abzufangen sind. Über 90 Prozent des Niobs wird in der Stahlproduktion genutzt. Wie viel davon letztendlich in der Rüstungsindustrie landet, lässt sich nur schwer beziffern. Doch aufgrund der hohen Investitionen steigt die Nachfrage nach Niob.
Prognostiziert wird, dass der Bedarf bis 2030 voraussichtlich um 25% steigt, bei einer derzeitigen Fördermenge von 83.000 Tonnen im Jahr.
Ein globaler Markt – dominiert von einem Land
Über 80 Prozent der weltweiten Niob-Förderung stammen aus einem einzigen Land: Brasilien. Weitere, wenn auch kleinere Produktionsländer, sind Kanada und China.
Damit ist der Markt extrem konzentriert – und anfällig für politische, wirtschaftliche, soziale und ökologische Risiken.
Das wichtigste Bergbauunternehmen ist CBMM – Companhia Brasileira de Metalurgia e Mineração. Es kontrolliert etwa drei Viertel der globalen Fördermenge und präsentiert Niob offensiv als Metall der „grünen Transformation“.
Gemeinsam mit Volkswagen, der VW-Tochter Traton und Toshiba investiert CBMM in die Erforschung von Niobbatterien, die länger halten, schneller laden und weniger Kobalt oder Nickel benötigen sollen. Damit stellt sich CBMM als vermeintlicher Retter der Klimakrise dar. Vor Ort bei der größten Niobmine in Araxá sieht die Realität jedoch anders aus.
Und auch die Niob-Batterie bleibt bislang eher Zukunftsmusik. In Batterien wird Niob bisher nicht breit angewendet, der technologische Reifegrad ist noch nicht weit genug.
Die Kehrseite: Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen
Niobabbau birgt hohe Risiken. Um zu verstehen, welche sozialen und ökologischen Schäden die Niobgewinnung verursacht, lohnt ein genauerer Blick nach Araxá, einem Kurort im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais – und gleichzeitig der Ort, an dem CBMM seit den 1960er Jahren Niob im Tagebau fördert.
In Araxá führte der Niob-Bergbau zu einer massiven Umweltkatastrophe. Bis heute zeigen sich Gesundheitsauswirkungen, die wahrscheinlich durch Schwermetallbelastungen hervorgerufen werden. Im Jahr 1982 wurde die Kontamination des Grund- und Oberflächenwassers in Araxá durch Barium festgestellt. Wasser sickerte durch die bergbaulichen Rückstände im Rückhaltebecken B4 der Araxá Mine von CBMM, die mit Bariumchlorid belastet sind und verseuchte angrenzende Grundwasservorkommen. Grund- aber auch Trinkwasser sind seitdem mit Schwermetallen und toxischen Substanzen belastet, welche die Bevölkerung jahrzehntelang konsumierte. Ein nachträglicher Versuch der Dekontaminierung verschlimmerte die Lage zusätzlich anstatt sie zu lösen. Die gesundheitlichen Folgen in der Region sind bis heute spürbar – darunter Atemwegserkrankungen, Hautprobleme und erhöhte Krebsraten.
Niob im Amazonasgebiet: Eine Gefahr für indigene Territorien
Besonders brisant ist der politische Druck, Niob-Abbau im Amazonas voranzutreiben.
Die Propaganda des brasilianischen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro hob Niob zu einem ungenutzten nationalen Schatz, der es ermöglichen sollte, Brasiliens Wirtschaft zu retten. Bolsonaro argumentierte, dass Naturschutzgebiete und indigene Territorien wirtschaftliche Entwicklung behindern würden und einen Nachteil für die brasilianische Wirtschaft darstellen.
Niob-Vorkommen sind beispielweise auf indigenem Territorium im Schutzgebiet Morro dos Seis Lagos zu finden. Ricardo Fernandes Gonçalves, Professor an der Universität Goiás, beschrieb 2019 die Logik treffend: Die Erzählung vom ungenutzten Schatz diene dazu, regulatorische Schutzmechanismen abzubauen und die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass indigene Rechte ein Hindernis seien – im Interesse von Bergbau-, Energie- und Agrarkonzernen. Über die Hälfte der globalen Rohstoffvorkommen liegt auf oder direkt angrenzend an indigene Territorien. Ihr Abbau hat direkte Folgen für ihr Leben.
Gonçalves weist darauf hin, dass die globale Nachfrage nach Niob weitgehend stabil sei und keine zusätzlichen Minen benötige. Trotzdem wächst der politische Druck.
Niob steht damit exemplarisch für eine Entwicklung, die aus vielen Regionen Amazoniens bekannt ist: Rohstoffinteressen, die mit Argumenten des Fortschritts und der nationalen Sicherheit begründet werden – und am Ende auf Kosten der allgemeinen und kollektiven Menschenrechte und der Umwelt gehen. In der Amazonasregion sind seit 2014 über 300 indigene Umweltschützer*innen und Landverteidiger*innen ermordet worden.
Der Amazonasregenwald ist Heimat vieler traditioneller und indigener Völker und Gemeinden. Es ist die Lebensgrundlage dieser Menschen und durch seine wichtigen Funktionen weit über lokale Grenzen hinaus wichtig für den Klimaschutz. Brasilianische Forscher argumentieren, dass bereits 18 Prozent des Waldes abgeholzt sind. Bei 20 bis 25 Prozent droht ein nicht umkehrbarer Wandel hin zu einer steppenähnlichen Landschaft mit Auswirkungen in ganz Südamerika und auf das globale Klima. Dies verstärkt extreme Wetterereignisse wie Trockenheit, Starkregen, Hitzewellen oder Stürme, die Auswirkungen in ganz Südamerika aber auch bis nach Deutschland haben werden.
Am Beispiel von Niob wird deutlich, wie wichtig es ist über unseren Rohstoffverbrauch nachzudenken. Kritisch zu reflektieren, wofür und wie viele Rohstoffe wir benötigen und wofür wir sie einsetzen. Wir brauchen eine Rohstoffwende, die Menschenrechte und Umweltschutz in den Fokus rückt und auf ein global-gerechtes Leben für alle Menschen ausgerichtet ist.
Zur Podcast-Folge – Niob – unbekanntes Metall zwischen Energiewende, Hightech und Aufrüstung.
Deutsche Rohstoffpolitik
SWR: Anlage soll die größte Europas werden – Lithium-Förderung in Landau soll weitere Millionen aus Rohstofffonds erhalten (07.11.25)
„[…] der milliardenschwere Rohstofffonds der Bundesregierung [startet] bald mit der Förderung von Projekten. Das Lithium-Projekt in Landau soll das erste sein, das Geld bekommt. Die Baugenehmigung für die Förderanlage in Landau wurde Ende Oktober erteilt. Sie soll laut Vulcan die größte Europas werden. Auch für die Weiterverarbeitung stehen Standort und Genehmigung in Höchst bei Frankfurt schon fest. Eine Pilotanlage läuft dort bereits.“
Capital: Kritische Rohstoffe – Regierung blockiert Rohstofffonds – kein einziges Projekt genehmigt (15.10.25)
„Ein Jahr nach dem Start des Rohstofffonds hat die Bundesregierung noch kein einziges Projekt genehmigt. Das ergab eine Nachfrage von Capital bei der staatseigenen KfW-Bank, die im Auftrag der Bundesregierung den Fonds aufgebaut hat und verwaltet. Bei der KfW stapeln sich inzwischen fast 50 Anträge von Unternehmen mit konkreten Projekten, die mithilfe einer staatlichen Beteiligung, die Versorgung mit kritischen Rohstoffen verbessern wollen, in dem sie neue Quellen erschließen. Der Staatsfonds ist mit 1 Mrd. Euro ausgestattet. Auf den Weg gebracht hatte ihn die Vorgängerregierung bereits im vergangenen Herbst. Ziel ist es, bei kritischen Rohstoffen die Abhängigkeit vor allem von China zu reduzieren, in dem eigene Kapazitäten aufgebaut und so Lieferkanäle gesichert werden. Der Rohstofffonds finanziert ein Projekt mit 50 bis maximal 150 Mio. Euro Eigenkapital. Die KfW sichert das Ausfallrisiko ab.“
Handelsblatt: Milliardenfonds für Rohstoff-Projekte kann starten (07.11.25)
„Für die deutsche Wirtschaft ist es eines der ganz großen Risiken: die Abhängigkeit von China bei wichtigen Rohstoffen. Erst plante die Ampel- und jetzt plant die schwarz-rote Bundesregierung, einen Fonds aufzusetzen, um die gefährliche Abhängigkeit einzudämmen. […] Der Rohstofffonds kann nun starten. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat sich mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) auf eine Absicherung der Finanzierung geeinigt, wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr. Das sei ein wichtiger Schritt zu mehr Unabhängigkeit und Resilienz in einer Zeit hoher geopolitischer Unsicherheit, hieß es.“
taz: Lithiumabbau in Deutschland – Den Erzfeind lieben lernen (05.10.25)
„Der entscheidende Punkt, der Gegenwehr auslöse, betont er, sei „die Dimension der Industrieanlage“. Millionen Tonnen Gestein müssten jährlich zerkleinert und chemisch behandelt werden. Die Produktion benötige so viel Wasser, dass es den Einheimischen fehlen werde. Manche Siedlung sei in ihrer Existenz gefährdet, wenn der Grundwasserspiegel sinke und die Brunnen austrockneten. Die Abraumhalde erreiche eine Höhe von 60 Metern, vergleichbar mit einem Wohnhaus von etwa 20 Stockwerken. Viele Leute hätten Angst, dass starker Wind das aufgehäufte, zerkleinerte Gestein in die Umgebung wehe. Und Zehntausende Schwerlaster störten die Ruhe, besonders in der Bauphase des Bergwerks. Dabei habe das Osterzgebirge „seit 30 Jahren eine kulturelle Prägung für Erholung, Sport und Kur“ entwickelt, sagt Lehnert.“
Deutsche Unternehmen und Verbände
BHRRC: LkSG – Misereor und Red Muqui legen Beschwerden gegen Metallkonzern Aurubis ein (25.11.25)
„Misereor und die peruanische Organisation Red Muqui haben gemeinsam mit Betroffenen zwei Beschwerden gegen Aurubis beim BAFA wegen mutmaßlichem Verstoß gegen gesetzliche Sorgfaltspflichten eingelegt. Aurubis teilte auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mit, das Unternehmen arbeite nur mit Geschäftspartnern zusammen, die intensiv und kontinuierlich überwacht würden und „Abweichungen von Standards werden angesprochen, Lösungen gemeinsam entwickelt und überprüft“ würden.“
Zeit: Lithium-Suche in Thüringen – BUND warnt vor Raubbau (24.10.25)
„Am Vortag hatte das Umweltministerium in Erfurt mitgeteilt, dass das Umweltlandesamt der Esso Deutschland GmbH die bergrechtliche Erlaubnis zu vorbereitenden Schritten für die Suche nach Lithium, Mangan und Zink auf einer Fläche von rund 4.050 Quadratkilometern erteilt habe. […] «Erst wenn diese mindestens zwei Jahre dauernden Analysen erfolgreich sein sollten, kann es im zweiten Schritt zu physischen Aufsuchungsarbeiten, wie beispielsweise Bohrungen, kommen», hieß es weiter. Dann wäre ein zusätzlicher Betriebsplan erforderlich, der genaue Standorte und Verfahren definiert. […] Wie das Lithium gewonnen werden könnte, ist aber schon klar: Perspektivisch geht das laut Umweltministerium im sogenannten Bohrlochbergbau, ähnlich der Tiefengeothermie.“
MDR: Lithium-Abbau in Altenberg – Unternehmen räumt Fehler ein (27.11.25)
„Die Zinnwald Lithium GmbH hat Fehler in Dokumenten zu potenziellen ökologischen und sozialen Auswirkungen zum Lithium-Abbau im Osterzgebirge eingeräumt. Die von Bürgerinitiativen und Grüner Liga gefundenen Mängel und Ungenauigkeiten stimmten, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Allerdings sei es Ziel dieses Beteiligungsprozesses gewesen, Unstimmigkeiten frühzeitig zu erkennen, so ein Sprecher des Unternehmens. Die Dokumente würden nun schnellstmöglich korrigiert und dann erneut veröffentlicht.“
taz: Schlechte Wirtschaftslage – Industrie rügt Regierung (02.12.25)
„Der Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), Peter Leibinger, stellt dem Standort Deutschland und der CDU-geführten Bundesregierung ein verheerendes Zeugnis aus. […] „Die Bundesregierung muss Investitionen Vorrang vor konsumtiven Ausgaben einräumen“, forderte er. Bei „konsumtiven Ausgaben“ handelt es sich vor allem um Sozialausgaben. […] Der BDI-Bericht selbst zeichnet kein ganz so negatives Bild wie Leibinger. So sei der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im März 2025 auf ein 31-Monats-Hoch gestiegen. „Der konjunkturelle Tiefpunkt dürfte damit durchschritten sein“, heißt es in dem Bericht. Nach zwei Jahren Rückgang dürften die deutschen Warenexporte im gesamten Jahr in nominaler Rechnung – also ohne Berücksichtigung der Inflation – nicht weiter sinken. Für die Europäische Union als Ganzes sieht der BDI eine Trendwende. Hier habe die Industrieproduktion bereits wieder Fahrt aufgenommen. […] Die Branchen Pharmazie, Metall, Elektro und sonstiger Fahrzeugbau „konnten die Produktion spürbar ausweiten“, heißt es in dem Bericht. Für die chemische Industrie und den Fahrzeugbau habe die Rezession noch nicht geendet.“
Europäische Rohstoffpolitik und Unternehmen
WWF: European Commission’s reckless move risks derailing water protections (04.12.25)
„The European Commission’s (EC) decision to revise the Water Framework Directive (WFD) is a concession to the metal and mining sectors. The Commission’s RESource EU Action Plan states that the WFD revision will help “promote access to critical raw materials in the EU”. The timing is striking: it comes just a week after EuroMines (EU’s biggest lobby for mining and metal industries) called on the EC to expand the use of derogations under the WFD and postpone deadlines. […] Adopted 25 years ago, the WFD became the cornerstone of EU water protection. It sets legally binding standards to safeguard rivers, lakes, groundwater, and coastal waters.“
Miningscout: EU sucht Wege zur Sicherheit im Wettlauf um kritische Metalle (26.10.25)
„Brüssel plant die Einrichtung eines “Zentrums für kritische Rohstoffe”, das künftig Daten zu Angebot, Nachfrage und Lagerbeständen erheben sowie koordinierte Ankäufe organisieren soll. Mehrere Mitgliedstaaten haben bereits nationale Initiativen gestartet. Deutschland will über die Förderbank KfW rund 1 Mrd. EUR in Rohstoffe investieren, Frankreich hat ein 500 Mio. EUR starkes Beteiligungsprogramm aufgelegt. […] Fachleute warnen, dass der Aufbau eines europäischen Rohstofflagers komplex ist. Die Metalle unterscheiden sich stark in Lagerfähigkeit, Marktvolumen und strategischem Wert. Lithiumhydroxid etwa hat nur eine begrenzte Haltbarkeit von rund sechs Monaten […]. Auch die Frage, wer im Krisenfall über die Freigabe der Bestände entscheidet, ist ungeklärt. Einige EU-Staaten orientieren sich am japanischen Modell, das seit 1983 strategische Reserven hält.“
EEB: RESourceEU Militarised mineral strategy will erode rights, pollute our freshwater and increase long-term insecurity (03.12.25)
„The package centres on joint stockpiling, joint procurement, Buy European provisions, demand aggregation and new financial tools designed to secure minerals for defence manufacturing, signalling a clear alignment with the European Defence Industry Programme, the European Defence Fund and Horizon Europe. […] For the EEB, this repeats the core mistake of the Defence Omnibus: treating environmental and social protections as expendable in the name of readiness and speed. […] Water law is being quietly dismantled using arguments lifted straight from extractive industrial lobbyists […] the sector is pushing for even more “flexibility” so authorities can prioritise new mines and industrial facilities over safeguarding rivers and groundwater. […] On a positive note, the planned restrictions on the export of permanent-magnet scrap and targeted measures for aluminium, with copper possibly to follow, are a genuinely positive step, helping to keep valuable materials within the EU, boost circularity and strengthen responsibility in Europe’s own supply chains.“
Spiegel: Handelskrieg um seltene Erden – Im Würgegriff Chinas (22.10.25)
„Von den neuen Exportbeschränkungen mal ganz abgesehen: Die Preise für seltene Erden kann China nach Belieben drücken – und damit europäische Minenprojekte verhindern oder in die Pleite treiben, womöglich selbst das in Kiruna [Anm. Schweden]. Europas Unternehmen seien »sehr preissensitiv«, sagt Tradium-Experte Giese – sie kaufen dort ein, wo es am billigsten ist. »Solange die Versorgung stabil erscheint, investieren viele nur zurückhaltend in Diversifizierung oder Vorratshaltung.« […] Hilfe für die Europäer könnte aus Brasilien kommen. »Deutschland und die EU müssen risikobereiter werden, wenn es um die Erschließung und Absicherung von Rohstoffprojekten geht«, sagt Stefan Steinicke, Rohstoffexperte beim BDI. »Ansonsten werden wir im Großmachtkonflikt zwischen den USA und China zerrieben werden.«“
Metalle in der Energie- und Mobilitätswende
klimareporter: Das Klima retten, ohne die Umwelt zu zerstören (03.12.25)
„Um den Druck auf neue Rohstoff-Förderung zu mildern, setzen die Unep-Fachleute auf verstärkte Kreislaufwirtschaft: Metallrecycling, Ökodesign der Produkte, staatlich geförderte Recycling-Infrastruktur sowie Steueranreize und grüne Anleihen könnten helfen, den Bedarf an Primärrohstoffen zu drosseln. […] Dennoch bleibt das Investitionsvolumen gewaltig. Die Internationale Energieagentur IEA erwartet, dass bis 2040 rund 800 Milliarden US-Dollar in Bergbauprojekte fließen müssen, um die globalen Klimaziele erreichen zu können. […] Zudem empfiehlt der Unep-Ressourcenrat, Finanzinstitute zu befähigen, ESG-konforme Projekte zu erkennen, etwa durch Einführung eines digitalen Produktpasses mit entsprechenden Informationen entlang der Wertschöpfungskette. […] Darüber hinaus müssten Finanzierungssysteme so reformiert werden, dass Bergbau in schützenswerten Gebieten ausgeschlossen wird. Außerdem wird ein globaler Fonds für die Entwicklung umweltschonender Technologien im Bergbausektor vorgeschlagen.“
BHRRC: Ahead of COP – Resources for reporting on the just energy transition (05.11.25)
“A body of research from the Business & Human Rights Resource Centre (BHRRC) warns that without strong human rights safeguards, the clean energy transition is on course to reproduce the same inequalities and abuses perpetuated by the fossil fuels sector. To support journalists reporting on these issues, BHRRC has compiled a COP30 media pack to inform coverage of the human rights dimensions of the energy transition. It contains data, analysis and case studies on corporate accountability in the just energy transition, human rights risks in transition mineral mining and renewables, and the crucial involvement of Indigenous Peoples in the climate movement.”
Mongabay: Rare earth mining expands into Laos, threatening entire Mekong River (27.10.25)
„Satellite data show at least 27 new rare earth mines have opened across Laos since 2022, mostly in protected areas and many within the Mekong River Basin, raising transboundary pollution risks for Vietnam and the wider Mekong system. […] Though rare earth mining is banned in Laos, operations — often funded by Chinese investors — continue under local-level permissions, reflecting weak oversight and growing Chinese influence as Laos seeks to boost its resource exports. […] Past incidents of chemical spills and fish die-offs have already harmed communities in northern and northeastern Laos, yet limited press freedom and civic space mean contamination and environmental impacts remain largely unreported and unmonitored.“
Zeit: Es fährt kein Zug nach Lobito (11.10.25)
„In der Demokratischen Republik Kongo liegen einige der größten Kobaltvorkommen der Welt. Sie sind wichtig für den Bau von Elektroautos, Handys oder auch Waffen. Derzeit kontrolliert China einen Großteil der Vorkommen. Doch mit einem milliardenschweren Bahnprojekt wollen die USA und die EU China Konkurrenz machen: Der Lobito-Korridor soll die Minen mit dem Hafen Lobito in Angola verbinden und westlichen Ländern besseren Zugang zu den Rohstoffen ermöglichen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht von einer “Zusammenarbeit auf Augenhöhe”, frei von kolonialem Denken. Aber wie stehen die Menschen im Kongo zu den Plänen?“
Metalle in der Kreislaufwirtschaft
MDR: Kupfer, Silizium, Seltene Erden – Elektroschrott ist Europas Rohstoff-Mine der Zukunft (15.10.25)
„Im sächsischen Freiberg arbeiten Helmholtz-Forscher daran, mithilfe von Viren Rohstoffe aus Elektroschrott zu gewinnen. Dass sie mit ihrem Projekt voll im Trend liegen, zeigt ein aktueller EU-Bericht zu Europas “urbaner Mine”. Demnach könnten sich Größe und Wert der im Elektroschrott enthaltenen kritischen Rohstoffe wie Kupfer, Silizium oder Seltene Erden bis 2050 verdoppeln. Ihre Gewinnung wird angesichts wachsender Nachfrage immer wichtiger.“
EUWID: E-Schrott als Rohstoffquelle: Bis zu 1,5 Mio Tonnen kritischer Metalle aus dem Recycling für Europa (14.10.25)
„Besonders stark dürfte der Anteil von Photovoltaikmodulen an den E-Schrottmengen steigen – von 150.000 Tonnen im Jahr 2022 auf bis zu 2,2 Mio Tonnen im Jahr 2050. Auch die Mengen anfallender Großgeräte, etwa Waschmaschinen oder Server, nehmen laut der Prognose deutlich zu. Dagegen wird bei Monitoren, Lampen und Kleingeräten ein weitgehend stabiler oder sogar rückläufiger Trend erwartet. (…) Die Autorinnen und Autoren des Berichts empfehlen, die Ergebnisse in laufende politische Prozesse einzubinden. Sie verweisen auf die EU-Verordnung über kritische Rohstoffe, die bis 2030 ein Viertel des Bedarfs aus Recycling decken soll, sowie auf die geplante Überarbeitung der WEEE-Richtlinie und den kommenden Circular Economy Act. „Das Urban Mining ist längst keine Vision mehr, sondern eine wirtschaftliche Chance“, betonte Giulia Iattoni vom FutuRaM-Konsortium. Entscheidend sei nun, die Sammel- und Aufbereitungssysteme so zu skalieren, dass das im E-Schrott liegende Potenzial auch tatsächlich genutzt werden könne.“
Electro CEMarkt: Reperaturgesetzgebung – „Großer logistischer und bürokratischer Aufwand“ (03.12.25)
„Zukünftig muss es eine Datenbank geben, die Informationen über die Reparierfähigkeit von Produkten, die Kosten dafür sowie die Ersatzteilverfügbarkeit erhält. Das ist mit großem logistischem und bürokratischem Aufwand verbunden, denn die Hersteller müssen diese Daten erst noch liefern. Insofern könnte ich mir vorstellen, dass für diese EU-Datenbank der Zeithorizont über die Mitte nächsten Jahres hinaus verlängert.[…] Um den angesprochenen Fachkräftemangel etwas abzumildern, haben wir außerdem ein Pilotprojekt gestartet: Ein erfahrener Servicetechniker lernt weniger erfahrene Kollegen an, in dem er sich virtuell – zukünftig per VR-Brille – bei der Reparatur der Kollegen zuschaltet. Damit kann ohne großen Aufwand aus der Praxis gelernt werden.“
DNR Deutscher Naturschutzring: Reparaturkultur – Deutschland hat Nachholbedarf (13.10.25)
„Hauptgrund für unterlassene Reparaturen sind die hohen Kosten – in allen Ländern. Verbraucher*innen akzeptieren durchschnittlich nur Reparaturpreise von maximal 20 Prozent des Neupreises. An zweiter Stelle steht der empfundene Aufwand: Während in Italien nur 10 Prozent der Befragten diesen als zu hoch empfinden, sind es in Deutschland 30 Prozent. Der Wunsch nach einem neueren Modell oder Bedenken zur Reparaturqualität spielen dagegen eine eher geringe Rolle. […] Das Potenzial für die Entscheidung, reparieren zu lassen, ist groß: 78 Prozent der Deutschen fordern besser reparierbare Geräte, fast ebenso viele (77 Prozent) wünschen sich staatliche Unterstützung. Viele sehen Hersteller und Händler in der Pflicht, etwa durch eine bessere Ersatzteilversorgung, längere Gewährleistungsfristen oder eine Reparaturpflicht. Ein Drittel der befürwortenden Personen hält auch das neue EU-Label für hilfreich, möchte sich aber nicht allein auf das Verbraucherverhalten verlassen.“
Zivilgesellschaftlicher Protest weltweit
The Parliament: The Czech mining town saying ‘no thanks’ to Europe’s critical raw materials push (25.11.25)
„Unlike other critical minerals that are nowhere to be found on the continent, Europe is estimated to have untapped reserves of lithium amounting to 5% of the world’s supply, with Cinovec believed to contain 3% of global stocks, according to the Czech Geological Survey. […] “We need expert studies on air, water, and noise pollution,” said Kašpar, the mayor, noting that people in Cinovec know from experience that mining isn’t a clean business. Water, for instance, still carries traces of past mining, with high concentrations of cadmium and arsenic — heavy metals that new drilling could release, resulting in further groundwater contamination, according to locals. “Without these documents, we cannot properly assess the risks and impacts,” warned Kamila Vítek Derynková, the chairwoman of the Cinvald association, a local activist group waging a resistance campaign against the lithium mine project.“
Frankfurter Rundschau: Mine bedroht Sámi – Umweltschützer blockieren Kupferabbau (03.11.25)
„Es ist vier Uhr morgens an diesem kalten Tag Ende September, und die Maschinen des Bergbauunternehmens Nussir ASA werden von einem Dutzend Umweltaktivistinnen und -aktivisten blockiert. Die Polizei der nächstgelegenen Stadt Hammerfest (50 km entfernt) wird Stunden brauchen, um hierherzukommen: Am norwegischen Polarkreis, zwei Stunden vom Nordkap entfernt, sind die Entfernungen riesig .[…] „Das Unternehmen plant, zehnmal mehr Abfälle pro Jahr zu entsorgen als in den 1970er Jahren, aber wir haben keine ausreichend genauen Modelle, um den Schaden genau zu quantifizieren“, erklärt Terje van der Meeren, Autor mehrerer Berichte für das [Meeresforschungs]Institut. „Die Deponie wird jegliches Leben auf mehreren Quadratkilometern am Grund des Fjords auslöschen.“
IndustriALL: African trade unions want critical minerals revenues to fund development (02.12.25)
„…trade unions representing millions of African workers in mining, energy and manufacturing industries gathered in Addis Ababa, declared that unless the new African green minerals strategy (AGMS) is radically redesigned around decent work and local value addition, the green boom will simply become the latest chapter in the extraction and export of mineral resources. […] The unions want environmental, social and governance (ESG) standards to be implemented with explicit labour protections including freedom of association, occupational health and safety, and decent work.“
Campact Blog: Wie serbische Aktivist*innen einen Bergbaukonzern in die Knie zwingen (18.11.25)
„Rio Tinto stoppt den Lithium-Abbau in Serbien. Der neue Vorstandsvorsitzende Simon Trott will das 2,4 Milliarden Dollar schwere Projekt aussetzen, um Kosten zu sparen – und wegen der Gegenwehr der Bevölkerung vor Ort. Ursprünglich sollte der Bau der Untertagmine 2026 abgeschlossen werden, die Produktion ein Jahr später beginnen. […] Die Bewegung gegen das Jadar-Projekt ist Teil eines größeren Kampfes für Demokratie und gegen Korruption in Serbien. Die serbische Organisation Kreni-Promeni mobilisiert vor Ort – über 300.000 Menschen haben ihre Petition gegen die Lithium-Mine bereits unterzeichnet. Auf der Straße, vor Gericht, im Parlament: Der Widerstand ist vielfältig und entschlossen.“
Survival: Appell an europäischen Bergbaukonzern: „Stoppt den Bergbau, sonst stirbt mein Volk.“ (27.11.25)
„Ein indigener Mann, der unkontaktiert im indonesischen Regenwald geboren wurde, ist erstmals nach Europa gereist, um den französischen Bergbaukonzern Eramet wegen der Zerstörung des Landes seines Volkes zur Verantwortung zu ziehen. Er wird auch Deutschland besuchen. Ngigoro gehört zum Volk der Hongana Manyawa auf der Insel Halmahera. Der umfangreiche Nickelabbau zerstört den Regenwald seines Volkes in rasantem Tempo – rund 500 weitere Hongana Manyawa leben unkontaktiert und versuchen verzweifelt, den Bulldozern zu entgehen. […] Weda Bay Nickel, ein Unternehmen, an dem Eramet beteiligt ist, hält die größte Bergbaukonzession der Insel. Mehr als drei Viertel dieser Konzession liegen auf Gebieten, in denen unkontaktierte Hongana Manyawa leben.“
Publikationen
DEUTSCHSPRACHIGE NEUERSCHEINUNGEN
Germanwatch: Der Digitale Produktpass für KKMU in der Kreislaufwirtschaft (27.11.25)
Inkota: Dossier 30 – Müll (12/25)
PowerShift: Bergbau in Brasilien – Erz gesucht, Amazonas verloren (21.11.25)
WEED: Der Critical Raw Materials Act auf dem Prüfstand – Zwischen Anspruch und Wirklichkeit (10/25)
Wuppertaler Institut: Sektorziele im Ressourcenschutz (11/25)
ENGLISCHSPRACHIGE NEUERSCHEINUNGEN
Arbeiterkammer Wien: Economic Effects of the EU CSDDD considering the Omnibus Process (09/25)
Global Witness: Assessing the climate impacts of transition minerals mining (06.10.25)
Transport & Environment Report: Driving best practice in mining waste management (20.11.25)
Transport & Environment Report: Missing in action? Europe’s mineral finance approach (01.12.25)