Liebe Leser*innen,

herzlich willkommen zur 47. Ausgabe des AK Rohstoffe Newsletters!
Metalle stehen im Zentrum geopolitischer Machtkämpfe. Der gesicherte Zugang zu Lithium, Kupfer und Seltenen Erden gilt zunehmend als Voraussetzung industriepolitischer Handlungsfähigkeit, entsprechend werden Genehmigungsverfahren verkürzt und Umwelt- und Sozialstandards gesenkt. Weitgehend unbeantwortet bleibt die Frage, wer die Kosten dieses Kurses trägt: Vertreibungen, Wasserverschmutzung und zerstörte Ökosysteme sind keine Ausnahmen, sondern Ausdruck eines globalen Rohstoffmodells, das auf Ausbeutung beruht.

Genau hier setzt die Alternative Rohstoffwoche 2026 an, die im Fokus dieser Ausgabe steht. Unter dem Motto „Rohstoffwende statt Rohstoffrausch!” organisiert der AK Rohstoffe vom 28. September bis zum 8. Oktober, 23 bundesweite und internationale Veranstaltungen und setzt einen Gegenpol zum Narrativ einer immer weiteren Ausdehnung des Rohstoffabbaus. Einer von vielen Höhepunkten ist der Rohstoffgipfel am 6. Oktober in Berlin mit Stimmen aus Politik, Gewerkschaft und Zivilgesellschaft. Dazu laden wir euch herzlich ein! Weitere Infos findet ihr auf unserer Website.

Im Fokus stellen wir euch außerdem die neue PowerShift-Studie zu Finanzierung von Bergbau vor. Sie nimmt in den Blick, wer den Ausbau eigentlich finanziert und nach welchen Standards, und kommt dabei zu einem ernüchternden Befund.

Solidarische Grüße aus dem Koordinierungsbüro,

Hannah Pilgrim & Yuri Borger

FOKUS: Finanzierung von Bergbau mit öffentlichen Milliarden

Mit dem Critical Raw Materials Act (CRMA), der ReSourceEU-Strategie und neuen Finanzierungsinstrumenten wie dem deutschen Rohstofffonds wollen die EU und die Bundesregierung mehr Investitionen in strategische Rohstoffprojekte mobilisieren. Dabei sollen öffentliche Finanzinstitutionen künftig eine deutlich größere Rolle spielen, denn neue Minen sind kapitalintensiv und mit hohen wirtschaftlichen Risiken verbunden. Gerade in frühen Projektphasen sind private Banken häufig nicht bereit, diese Risiken allein zu tragen – oder sie verlangen hohe Risikoaufschläge.
Öffentliche Finanzakteure werden damit zu einem zentralen Hebel, um Bergbauprojekte überhaupt finanzierbar zu machen. Ihre Bedeutung geht dabei weit über die Höhe der unmittelbar bereitgestellten Mittel hinaus: Durch Kredite, Beteiligungen und Garantien wirken sie als Ankerinvestoren und mobilisieren zusätzliches privates Kapital.
Gleichzeitig ist Bergbau mit erheblichen menschenrechtlichen, sozialen und ökologischen Risiken verbunden. Eine neue PowerShift-Studie untersucht deshalb die Standards, Transparenzvorgaben und Rechenschaftsmechanismen der Europäischen Investitionsbank (EIB), der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der International Finance Corporation (IFC), des deutschen Rohstofffonds und von Exportkreditagenturen.
Das Ergebnis: Die bestehenden Schutzstandards reichen nicht aus, um den spezifischen Risiken des Bergbausektors wirksam zu begegnen. Wenn öffentliche Finanzakteure ihr Engagement im Bergbau ausweiten, müssen ihre Standards entsprechend nachgeschärft werden. Dafür braucht es vor allem:

Verbindliche menschenrechtliche und ökologische Sorgfaltspflichten – einschließlich unabhängiger Risikoanalysen, klarer Abbruchklauseln bei schweren Verstößen und verbindlicher Ausschlusskriterien für Bergbau in ökologisch besonders sensiblen Regionen wie Regenwäldern. Auch die Rechte indigener Gemeinschaften müssen konsequent geschützt werden: Wo ihre freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) erforderlich ist, muss gelten: Ohne Zustimmung keine Finanzierung.
Transparenz entlang der gesamten Finanzierungskette. Projektinformationen und zentrale Umwelt- und Sozialprüfungen müssen frühzeitig veröffentlicht werden. Das gilt insbesondere für Finanzierungen über Intermediäre: Auch Subprojekte und Endbegünstigte müssen offengelegt werden.
Wirksame und unabhängige Beschwerdemechanismen, die Betroffenen tatsächlich Zugang zu Abhilfe ermöglichen und sie vor Repressalien schützen. Auch für den Rückzug aus problematischen Projekten braucht es klare „Responsible Exit“-Regeln.
• Und ganz wichtig: Kreislaufwirtschaft und eine absolute Reduktion unseres Rohstoffverbrauchs müssen politische Priorität haben. Denn auch deutlich bessere Finanzierungsstandards können die sozialen und ökologischen Folgen eines immer weiter steigenden Rohstoffverbrauchs nicht lösen.

Mehr dazu in der PowerShift-Studie „Finanzierung von Bergbau: Lücken bei Standards, Transparenz und Rechenschaftspflichten schließen“.

Deutsche Rohstoffpolitik

Handelsblatt: Berlin stockt Rohstofffonds auf 1,5 Milliarden Euro auf (06.07.2026)

„Die deutsche Wirtschaft ist bei vielen Rohstoffen zu 90 Prozent und mehr von China abhängig. Oft lohnt es sich nicht, neue Vorkommen in anderen Ländern zu erschließen, weil China günstiger liefert. Genau diesen Kostennachteil soll der Rohstofffonds ausgleichen. Durch eine frühe Beteiligung des Bundes an Projekten soll das Rohstoffangebot erhöht und Unternehmen in Deutschland der Zugriff ermöglicht werden.“

Frankfurter Rundschau: Bundesregierung schlägt bei Rohstoffen den falschen Weg ein (13.07.2026)

„Mineralische Rohstoffe sind die Währung der Zukunft – insbesondere kritische Rohstoffe wie Lithium, die für die Umstellung der Wirtschaft auf erneuerbare Energien und zukunftsweisende Technologien benötigt werden. (…) Deutschland verfügt nur in geringen Mengen über kritische Rohstoffe und ist bis zu 90 Prozent von Importen abhängig. Diese erfolgen zudem aus nur wenigen Staaten. Ein erklärtes Ziel der Rohstoffstrategie lautet daher, die Abhängigkeiten auf maximal 50 Prozent zu verringern.“

ZDF Heute: Lieferkettengesetz unter Druck: Ministerin Reiche und der Rechtsstaat (19.08.2026) 

„Mit Personalpolitik und Eingriffen in die Arbeit der zuständigen Kontrollbehörde hebeln Katherina Reiche (CDU) und ihr Wirtschaftsministerium offenbar gezielt das unliebsames Lieferkettengesetz aus. “frontal” zeigt, wie die Wirtschaftsministerin, vorbei am Bundestag, das umsetzt, was die Union unter Kanzler Merz fordert.“

Zeit: Zinnwald Lithium komplett übernommen (28.07.2026)

„Sachsen verbindet mit der vollständigen Übernahme der Zinnwald Lithium Plc. durch das Unternehmen AMG Critical Materials N.V. eine Beschleunigung beim Abbau des strategisch wichtigen Rohstoffs. «Heimisches Lithium kann dazu beitragen, Europas Versorgung mit kritischen Rohstoffen widerstandsfähiger zu machen und die Transformation der Automobil-, Batterie- und Hightech-Industrie zu unterstützen. Dies stärkt den Rohstoffstandort Sachsen und ganz Europa», betonte Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD).“

Deutsche Unternehmen und Verbände

SPIEGEL: Autohersteller suchen verzweifelt nach seltenen Erden (10.06.2026)

„Die Autoindustrie ist weltweit in Aufruhr. Der Grund: Die chinesische Regierung erschwert die Ausfuhr von einigen seltenen Erden, Rohstoffhändler berichten von verzweifelten Einkäufern, die einen Stillstand ihrer Bänder schon Mitte Juli befürchten, wenn sie die für leistungsstarke Magnete wichtigen Materialien nicht bekommen. »Die gesamte Branche ist in Panik«, sagte Frank Eckard, Chef des Magnethändlers Magnosphere aus Troisdorf bei Bonn.“

BVSE: Aurubis weiht weltweit einmalige Anlage für Recycling von strategischen Metallen ein (05.07.2026)

„Die Aurubis AG hat am Standort Hamburg eine weltweit einmalige Anlage feierlich in Betrieb genommen. Durch sie kann das Unternehmen künftig noch mehr und komplexere Recyclingmaterialien und Hüttenzwischenprodukte verarbeiten. (…) Aurubis gewinnt dadurch wichtige Metalle wie Kupfer, Blei, Edelmetalle sowie Schwefelsäure zurück, die für zentrale industrielle Anwendungen unverzichtbar sind.“

Europäische Rohstoffpolitik und Unternehmen

Powershift: EU-Omnibusgesetze: Wie die Deregulierung Menschenrechte, Umwelt und Verbraucherschutz schwächt (09.07.2026)

„Mit dem Briefing „Wir werden überrollt – Die europäischen Omnibusgesetze und ihre Folgen für Menschenrechte, Umweltschutz und Verbraucher*innen“ ordnet PowerShift diese Entwicklungen erstmals systematisch ein. Die Publikation erklärt die politischen Hintergründe der Omnibusagenda, analysiert alle zehn bekannten Omnibuspakete und zeigt, welche Auswirkungen die geplanten Gesetzesänderungen auf Menschenrechte, Umwelt, Verbraucher*innenschutz und demokratische Entscheidungsprozesse haben.“

IPIS: Another drop in the ocean of deregulation? The review of the EU Water Framework Directive and water due diligence in mineral-producing countries (07.07.2026)

„The European Commission’s upcoming review of the EU Water Framework Directive (WFD) acts as a turning point for European environmental governance. As the EU accelerates efforts to secure critical raw materials for the energy and digital transition (…) mining actors are intensifying pressure to ease water protection rules, particularly in connection with permitting procedures for mining projects considered strategic to European competitiveness and autonomy.“

The Resident: Der Rückzug aus dem Raffinerieprojekt im Wert von 492 Millionen Euro lässt Portugals Lithiumstrategie scheitern (31.07.2026)

„Portugals Bestreben, eine integrierte Lithiumindustrie aufzubauen, hat einen weiteren schweren Rückschlag erlitten, nachdem die José de Mello Group ihre Pläne für eine 492 Millionen Euro teure Raffinerie in Estarreja aufgegeben hat, da es an Abnehmern mangelt, die bereit sind, die Investition zu unterstützen. (…) Jahrelang wurde den Gemeinden, die mit Tagebauprojekten konfrontiert waren, erzählt, dass die heimische Rohstoffgewinnung die Grundlage für eine höherwertige portugiesische und europäische Industrie bilden würde.“

Euronews: EBRD unterstützt Kasachstans Aufstieg in der Rohstoffkette mit 255-Millionen-Euro-Kredit (04.07.2026)

„Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) finanziert in Kasachstan die erste groß angelegte Anlage zur Verarbeitung von refraktärem Golderz. Damit kann das Land bislang unerschlossene Vorkommen nutzen und seine heimische Mineralverarbeitung ausbauen.“

Metalle in der Energie- und Mobilitätswende

London Mining Network: Anglo American in Peru: Extractivism, effects and corporate networks (April 2026)

„For many years, Quellaveco has been presented as a ‘model’ project where technological innovation helps to limit environmental damage. Nevertheless, it has also been questioned by social organisations and communities in Moquegua, who have experienced negative impacts on their land, rivers, and likely their health. This investigation presents official documentation and empirical evidence on the Quellaveco mining project.“

Global Witness: Murky manganese: The Ghanaians who will pay the price for EV batteries (21.05.2026)

„An investigation by Global Witness has revealed that waste from a manganese mine in Ghana supplying a material critical to the latest EV technology is creating a toxic environment for local people, with its operators aware but doing little to stop it.“

Berliner Zeitung: Lithium: KI löst Elektroautos als Wachstumstreiber ab (27.06.2026)

„Während Elektroautos den Lithiummarkt über Jahre dominierten, entwickelt sich nach Angaben der Branche inzwischen ein zweites großes Standbein. Der weltweite Ausbau von Rechenzentren für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz sowie Investitionen in stabilere Stromnetze erhöhen den Bedarf an stationären Batteriespeichern deutlich. Diese benötigen ebenfalls große Mengen Lithium.“

WÖK: Simbabwes Lithium-Wende (11.06.2026)

„Das südafrikanische Land besitzt das größte Lithiumvorkommen Afrikas und wurde in wenigen Jahren zu einem wichtigen Lieferanten für die globale Batterieindustrie. Vor allem chinesische Unternehmen investierten Milliarden in Minen und Aufbereitungsanlagen. Doch die Regierung in Harare versucht inzwischen, mit einer radikalen Strategie aus dem klassischen Muster kolonialer Rohstoffökonomien auszubrechen.“

Metalle in der Kreislaufwirtschaft

Deutschlandfunk: Knappe Rohstoffe sollen besser recycelt werden (03.06.2026)

„Lange wurde um das Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie in der Koalition gerungen. Nun steht es und wird im Kabinett beraten. Mit dem Programm möchte die schwarz-rote Bundesregierung dafür sorgen, dass mehr knappe Rohstoffe recycelt werden. Das soll vor allem der Wirtschaftsbranche Umwelttechnologie zugutekommen. Umweltverbände sind allerdings jetzt schon unzufrieden mit dem Aktionsprogramm. Aus ihrer Sicht gibt es zu wenig verbindliche Vorgaben und Ziele.“

Sachwert Magazin: Der nächste Rohstoff liegt im Abfall (13.07.2026)

„Deutschland will sich bei kritischen Rohstoffen unabhängiger machen. Der Rohstofffonds soll aufgestockt werden, der Nationale Sicherheitsrat behandelt Mineralien längst als Sicherheitsfrage. Doch ausgerechnet die Kreislaufwirtschaft droht zu kurz zu kommen. Dabei entscheidet sie mit darüber, ob Europas Industrie wirklich widerstandsfähiger wird.“

Netzwerk Ressourcenwende: Reparieren – alles, was Recht ist (30.07.2026)

„Das Recht auf Reparatur ist ein Baustein des EU-Rahmengesetzes zur Neuausrichtung der europäischen Kreislaufwirtschaft. In Deutschland sind Hersteller ab Juli dazu verpflichtet, Geräte über die Gewährleistungsfrist hinaus zu einem angemessenen Preis zu reparieren. Damit soll unter anderem Elektroschrott vermieden werden. Wir haben die Referentin für nationale und europäische Kreislaufwirtschaft des DNR, Lena Steltzner gefragt, was darüber hinaus für den Ressourcenschutz zu tun ist.“

FutuRaM: By 2050 Europe’s Waste Could Supply Over Half of Critical Material Demand (27.05.2026)

„EU-funded experts today delivered the most comprehensive assessment ever of Europe’s ‘urban mine’ – materials stocks and waste streams containing a vast, an underutilized reservoir of metals and minerals essential for clean energy, digital technologies, and modern industry. (….) It revealed that recovery systems could, by 2050, enable Europe to recover between 4.1 and 5.7 million tonnes of CRMs annually.“

Zivilgesellschaftlicher Protest weltweit

 Mongabay: New data reveals surge in human rights abuses linked to transition minerals mining (03.07.2026)

„Worldwide, South America has the most abuse allegations associated with large-scale mining for transition minerals over the past 15 years. Such minerals are essential for the shift away from fossil fuels and are critical for other industries, such as tech and defense. Many of the allegations were associated with environmental harm including water pollution and deforestation.“

SOMO: The legal pushback against Europe’s critical minerals rush (23.06.2026)

„The European Union is racing to secure access to so-called ‘critical minerals’, including lithium, nickel, and rare earths, which it considers essential for sectors such as energy, defence, artificial intelligence (AI), and the automotive industry. (…) However, civil society organisations (CSOs) warn that the CRMA’s fast-track approach risks weakening environmental safeguards, limiting public scrutiny, and treating affected communities’ rights as obstacles to Europe’s resource strategy.“

Resource Justice Network: G7 Summit: Minerals security can not be built on exclusion (15.06.2026)

„The G7 Critical Minerals Action Plan, launched under Canada’s 2025 G7 Presidency, put mineral supply security, diversification and resilience at the centre of the G7 agenda. (…) Yet since January 2026, ministerial meetings on trade, finance and foreign affairs have advanced this agenda through closed technical tracks, with no meaningful consultation of civil society, affected communities, workers’ organisations, Indigenous Peoples’ representatives, or the publics of producer countries.“

Chinese Copper, Romanian & Bulgarian Water: 40 NGOs Urge Bucharest & Sofia Not to Abandon the Danube (17.08.2026)

„40 NGOs are drawing attention to the cross-border impact that the vast new complex would have on Romania and Bulgaria, should it ever be built. (…) According to the letter, the plan will affect the area’s hydrographic system. It anticipates the withdrawal of more than 800 liters per second from the Crni Timok river –  roughly half of the river’s summer flow –  while the Kriveljska river is designated as the site for the roughly 1,900-hectare flotation tailings storage facility.“

Publikationen

DEUTSCHSPRACHIGE NEUERSCHEINUNGEN

Inkota (2026): Infoblatt: Kreislaufwirtschaft.

PowerShift (2026): Finanzierung von Bergbau mit öffentlichen Milliarden.

Powershift Podcast: Nickel für die Energiewende: Was der Boom in den Philippinen kostet.

ENGLISCHSPRACHIGE NEUERSCHEINUNGEN

Environment and Society Centre (2026): The water footprints of global minerals trade: Why the ‘virtual water’ use hidden in supply chains is critical to sustainability

Global Witness (2026): How a Canadian mining giant infiltrated Zambia’s democracy.

Pacific Network on Globalisation (2026): Undermining Sovereignty: De-Risking the Pacific from Investor-State Dispute in Deep-Sea Mining.

The Oakland Institute (2026): Rush: Global Scramble for Minerals Wages War on People and Planet

Anthropocene (2026): Rio Tinto: a just transition case study