Liebe Leser*innen,
herzlich willkommen zur 46. Ausgabe des AK Rohstoffe Newsletters!
Aktuell treibt die Sorge vor geopolitischen Abhängigkeiten die Politik um: Ob neue Lithium-Deals mit Bolivien, Rohstoffabkommen mit Brasilien oder Partnerschaften mit den USA; die Sicherung der industriellen Basis steht ganz oben auf der Agenda. Doch während Berlin und Brüssel mit Millioneninvestitionen in Projekte wie die australische Seltene-Erden-Förderung ihre Lieferketten diversifizieren, bleiben grundlegende Standards oft auf der Strecke.
Im Fokus dieser Ausgabe steht die Alternative Rohstoffwoche 2026, die vom 28. September bis zum 6. Oktober unter dem Motto „Rohstoffwende statt Rohstoffrausch!“ ein Zeichen gegen den aktuellen Deregulierungskurs setzt. Den politischen Höhepunkt bildet der Rohstoffgipfel am 6. Oktober in Berlin, zu dem wir euch schon heute herzlich einladen möchten.
Wir evaluieren außerdem unsere Bildungsarbeit im Bereich Rohstoffpolitik – nehmt gern unter folgenden Link an unserer kurzen Umfrage teil.
Online-Fragebogen zur Bildungsarbeit von PowerShift im Bereich Rohstoffpolitik
Wir freuen uns darauf, gemeinsam Strategien für eine gerechte Rohstoffwende zu diskutieren.
Solidarische Grüße aus dem Koordinierungsbüro,
Hannah Pilgrim & Maike Buckemüller
FOKUS: Alternative Rohstoffwoche und Rohstoffgipfel 2026
Alternative Rohstoffwoche 2026: Rohstoffwende statt Rohstoffrausch! Warum Deregulierung Menschen und Umwelt weltweit gefährdet
Wann? Die Alternative Rohstoffwoche findet vom 28. September bis zum 6. Oktober 2026 statt. Der Rohstoffgipfel bildet am 6. Oktober 2026 in Berlin den politischen Abschluss der Woche.
Wo? Bundes- und europaweit.
Metalle stehen im Zentrum geopolitischer Machtkämpfe. Sie gelten als unverzichtbar für Energiewende, Digitalisierung und industrielle Transformation, fließen jedoch auch in großem Umfang in Autos, Bauprojekte, Rüstung und kurzlebige Konsumgüter. Was in der politischen Debatte oft ausgeblendet wird: Ihr Abbau geht vielerorts mit Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung und der Missachtung indigener Rechte einher. Vertreibungen, Wasserverschmutzung, zerstörte Ökosysteme und gefährliche Arbeitsbedingungen sind keine Ausnahmen, sondern Ausdruck eines globalen Rohstoffmodells, das auf Ausbeutung beruht.
Gleichzeitig geraten mühsam erkämpfte Umwelt- und Sozialstandards zunehmend unter Druck. Mit dem Critical Raw Materials Act (CRMA), beschleunigten Genehmigungsverfahren und Angriffen auf Schutzinstrumente wie die Wasserrahmenrichtlinie droht ein politischer Kurs, der Rohstoffsicherheit über Menschenrechte und Umweltschutz stellt – weltweit und auch in Europa.
Dem wollen wir etwas entgegensetzen. Denn die entscheidende Frage lautet: Wie können wir den Rohstoffverbrauch senken, globale Gerechtigkeit stärken und verbindliche Standards entlang der Lieferketten sichern? Deshalb ruft das zivilgesellschaftliche Bündnis AK Rohstoffe in diesem Herbst erneut zur Alternativen Rohstoffwoche und zum Rohstoffgipfel auf. Wir schaffen Räume für Austausch, politische Debatte und Vernetzung – mit Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Politik, Gewerkschaften und Wissenschaft. Diskutiert mit uns, wie eine gerechte Rohstoffwende durchgesetzt werden kann.
Deutsche Rohstoffpolitik
“Die Bundesregierung beteiligt sich über den Rohstofffonds mit bis zu 50 Millionen Euro am NolansProjekt des australischen Unternehmens Arafura Rare Earths Ltd. im Northern Territory. Damit stärkt sie die sichere und diversifizierte Versorgung Deutschlands und Europas mit kritischen Seltenen Erden und reduziert bestehende Abhängigkeiten.”
Romero Initiative: Brennpunkt: Menschrechte stärken. Lieferkettengesetz verteidigen! (2026)
„Anhand konkreter Beispiele aus der Palmöl- und Kupferproduktion geht es um den aktuellen Stand laufender Lieferkettenbeschwerden. Interviews mit Betroffenen und Expert*innen geben Einblicke in die Wirkung des Gesetzes und zeigen zugleich, wo es noch an konsequenter Umsetzung fehlt. Stimmen aus der Zivilgesellschaft verdeutlichen, warum es weiterhin einen starken Einsatz für Lieferkettengesetze braucht.“
Taz: Brasiliens Präsident in Hannover Lula und Merz wollen sich näherkommen (20.04.2026)
„Partnerschaften wie die zwischen Deutschland und Brasilien beschäftigten sich laut des Bergbauexperten Constantin Bittner zudem zu wenig mit den ökologischen und sozialen Auswirkungen. „Deutschlands Fokus liegt auf Rohstoff- und Versorgungssicherheit der eigenen Industrie“, kritisiert Bittner von der NGO PowerShift im Gespräch mit der taz. „Soziale und ökologische Aspekte spielen dabei nur eine Nebenrolle.“
Die deutsche Investitionsschutzpolitik ist besonders gefährlich für Partnerländer und die Energiewende – zu diesem Schluss kommt ein Ranking, das 30 europäische Länder untersucht hat (…) Für das Ranking haben die Analyst*innen 10 Indikatoren entwickelt, in denen es etwa darum geht, wie viele Klagen Unternehmen gegen Staaten anstrengen und in welcher Höhe sie Entschädigungen erhalten, aber auch, wie viele Investitionsschutzverträge ein Land abgeschlossen hat.
Deutsche Unternehmen und Verbände
Amerika21: Deutsch-australischer Konzern verhandelt über Lithiumförderung in Bolivien (20.02.2026)
“Die Aufnahme von vertraulichen Gesprächen beinhalte weder eine Industrie- oder Produktionsgarantie noch eine Genehmigung für die Aufnahme des Betriebs (…) Im Falle einer Einigung würde ein Vertrag zwischen YLB und EAU Lithium zustande kommen, der die Errichtung von Industrieanlagen und den Einsatz der spezifischen Absorptionstechnik des Unternehmens regelt.”
FinanzNachrichten: Deutsche Industrie will Zugang zu kritische Mineralien sichern (09.03.2026)
„Deutsche Industrieunternehmen machen sich nach Informationen der Financial Times für die Gründung eines Handelshauses nach japanischem Vorbild stark. Ziel sei es, die Versorgung mit kritischen Rohstoffen zu sichern und sich so gegen Chinas Vormachtstellung bei Seltenen Erden zu schützen“
„Neben Öl und Gas haben sich in den vergangenen Monaten nahezu alle Metalle erheblich verteuert. Viele davon spielen für die deutsche Industrie eine wichtige Rolle, die neben steigenden Energiepreisen nun auch bei den für moderne Technologien wichtigen Rohstoffen draufzahlen muss.“
„Kreislaufwirtschaft stärkt den Industriestandort gleich doppelt: Sie reduziert kritische Abhängigkeiten und schafft zusätzliche Wertschöpfung in Deutschland. Jetzt kommt es darauf an, Investitionen in zirkuläre Infrastruktur, Recycling- und Verwertungskapazitäten zu beschleunigen, Genehmigungsverfahren zu verkürzen, Märkte für Rohstoffe der Circular Economy zu entwickeln sowie Normen und Standards so weiterzuentwickeln, dass zirkuläre Produkte schneller in die industrielle Anwendung kommen“, sagt Holger Lösch.“
Europäische Rohstoffpolitik und Unternehmen
„Die (..) Absichtserklärung formalisiert die strategische Partnerschaft zwischen der EU und den USA zum Aufbau sicherer und nachhaltiger Lieferketten für kritische Rohstoffe. Es sieht eine bilaterale Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette vor – von der Exploration über die Gewinnung, Verarbeitung und Raffination bis hin zum Recycling – und unterstützt gleichzeitig Innovation, Investitionen und geologische Kartierung sowie Maßnahmen auf der Angebots- und Nachfrageseite.“
Berliner Zeitung: Gegen Chinas Dominanz: EU startet Plattform für kritische Rohstoffe (13.04.2026)
„Käufer kritischer Rohstoffe können über das System ihre Nachfrage bündeln und Kontakt zu Lieferanten, Finanzinstituten sowie Lageranbietern aufnehmen (…) Die Plattform verbindet Käufer und Verkäufer, überlässt die konkreten Vertragsverhandlungen aber den beiden Seiten (…) Die Plattform ist Teil der im Dezember 2025 vorgestellten ReSourceEU-Strategie.“
Energiezukunft: Rohstoffsicherung wird Umwelt und Beteiligung übergeordnet (13.03.2026)
„In der Debatte wird häufig betont, dass die besonders hohen europäischen Umwelt- und Sozialstandards eine vergleichsweise umweltfreundliche und sozialverträgliche Förderung sicherstellen werden. In der Realität weisen die europäischen Regelungen jedoch erhebliche Lücken auf, zeigt eine Analyse von PowerShift und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Zusammenarbeit mit Bergbau- und Beteiligungsexpert:innen. Der neue Fast-Track für strategische Projekte im Critical Raw Materials Act (CRMA) hebele teilweise Gewässerschutz sowie grundlegende demokratische Beteiligungsrechte aus.“
„One of these less-discussed projects is the nickel refinery in Brazil. Yet it gives very interesting insights into the instrument’s strategic project. Looking more closely into the example, serious questions arise regarding the selection criteria of the EU for its strategic projects: their viability, their actual use for the EU, and their impact on the ground.“
Metalle in der Energie- und Mobilitätswende
„Derzeit sind Lithium-Ionen-Batterien die am häufigsten verwendeten Energiespeicher. Die Rohstoffabhängigkeit und -knappheit stellt jedoch eine erhebliche Herausforderung für den Lithium-Ionen-Batteriemarkt dar. (…) Natrium gilt als ein besonders unkritischer Rohstoff, ist gut verfügbar, preiswert und wird als sehr sicher eingestuft. Natrium-Ionen-Batterien können somit eine Schlüsselrolle bei der Sicherstellung einer stabilen und nachhaltigen europäischen Energieversorgung spielen.“
„The investigation by the United Nations University Institute for Water, Environment and Health (UNU-INWEH) concluded that the growing demand for lithium, cobalt and nickel used in batteries and microchips is draining water supplies, eroding agriculture and exposing communities to toxic heavy metals.“
Metalle in der Kreislaufwirtschaft
WWF: Report: EU-Rohstoffstrategie setzt zu stark auf neuen Bergbau (30.03.2026)
„Die EU-Kommission konzentriert sich zwar richtigerweise auf Batterierohstoffe, setzt dort aber die falschen Akzente. Recycling kann schon in naher Zukunft einen großen Teil des Rohstoffbedarfs in der EU decken und hat klare Umweltvorteile gegenüber dem Bergbau. Dazu zählen geringere Treibhausgasemissionen, ein deutlich geringerer Flächenverbrauch sowie weniger Belastungen für Gewässer und Böden“, sagt Dr. Esther Laabs, Rohstoff- und Batterieexpertin beim WWF.”
“Die Analyse zeigt, dass sich mit entschlossener politischer Führung, klaren politischen Entscheidungen und geeigneten politischen Anreizen bestehende und neue Technologien so einsetzen lassen, dass die Erderwärmung auf höchstens 1,5°C begrenzt werden kann. Gleichzeitig können kritische Ökosysteme geschützt werden und Gerechtigkeit sowie soziale Fairness integraler Bestandteil aller Lösungen im Umgang mit Übergangsmineralien sein.”
„Trotz dieser von Mangel und steigenden Preisen geprägten Situation exportiert Europa einen Teil seiner Wolframschrotte, die durch Recycling nutzbar gemacht werden könnten. Deshalb fordert Karlheinz Wex, Vorstandsvorsitzender der Plansee Group (…) einen politischen Kurswechsel beim Umgang mit dem industriellen Schlüsselrohstoff: Exportrestriktionen für Wolframschrotte, verbunden mit der Pflicht zur Wiederaufbereitung und Rückführung in regionale Wertschöpfungsketten.“
„So dürfte sich die Zahl der Altbatterien allein aus Elektrofahrzeugen von 1,2 Millionen im Jahr 2030 auf 14 Millionen im Jahr 2040 erhöhen. Technologien für eine Batterie-Kreislaufwirtschaft ermöglichen die Wiederverwendung und das Recycling dieser Batterien, und wie so oft im Batteriesegment geht auch hier Asien voran. Parallel dazu lässt sich auch in Europa ein signifikanter Innovationsschub beobachten.“
Zivilgesellschaftlicher Protest weltweit
“Our territories are in the sites of military neocolonialism, driven by a thirst for rare-earth minerals,” said Bishop Vicente de Paula Ferreira, who advocates on behalf of communities affected by mining in his diocese of Livramento de Nossa Senhora in Bahia, Brazil. He warned against what he termed “green capitalism,” referring to companies masking mining operations behind clean energy enterprises.“
Fern: Strategic Minerals and Miombo forests in the Democratic Republic of the Congo (23.03.2026)
„Faced with these major challenges, civil society is organising itself, from the mining provinces of Haut-Katanga and Lualaba, to Kinshasa and even Brussels. They are demanding an impact assessment that will provide transparent information about the impacts of the Lobito Corridor and mining projects, and stronger protection measures, both for local communities and for the forests themselves.“
“Die zentrale AMI steht daher vor einer strategischen Grundsatzentscheidung: Soll sie primär ein transnationales Vernetzungsforum (…) oder eine koordinierende Plattform zwischen lokalen Initiativen? Ohne klare Prioritätensetzung droht sie, weiterhin an politischer Relevanz zu verlieren. Die AMI 2026 hat erkennbar versucht, zu ihren community-orientierten Ursprüngen zurückzukehren. Symbolik, Formatänderungen und thematische Fokussierung allein reichen jedoch nicht aus.”
The Resident: Barroso lithium mine: EU doubles down in spite of risks (27.11.2025)
„Yesterday, the European Commission rejected the request by Associação Unidos em Defesa de Covas do Barroso (UDCB), MiningWatch Portugal and ClientEarth to remove the Barroso lithium mining project from its list of ‘strategic projects’ (…) NGOs and community groups challenged the decision to label the mining project ‘strategic’ – arguing that this ignores “mounting evidence that the mine’s design poses grave environmental and safety risks.“
Publikationen
DEUTSCHSPRACHIGE NEUERSCHEINUNGEN
Konrad-Adenauer-Stiftung (2026): Das Ende der Rohstoffpartnerschafts-Illusion?
PowerShift Podcast: Grönland und der US-amerikanische Zugriff auf Seltene Erden.
ENGLISCHSPRACHIGE NEUERSCHEINUNGEN
AfreWatch (2026): Assessment of deforestation in the mining provinces of Lualaba and Haut-Katanga.
PowerShift (202 6): Strategic Projects, Fragile Rights and Water at Risk.