AK Rohstoffe Newsletter #24

AK Rohstoffe Newsletter #24

2019-07-24T15:42:42+00:00Newsletterarchiv|
Liebe Leser*innen,

im ersten Quartal des Jahres hat die Bundesregierung offiziell angekündigt, die Rohstoffstrategie der Bundesregierung fortzuschreiben. Als AK Rohstoffe haben wir unsere Forderungen dahin gehend schon formuliert. Unter dem Eindruck der Dammbrüche in Brasilien und den Herausforderungen bei den Batterierohstoffen für die Elektromobilität sehen wir die Notwendigkeit für die deutsche Politik, ökologische und menschenrechtliche Risiken stärker zu adressieren. Während sich die Industrie verstärkt für verbindliche Sorgfaltspflichten entlang der Lieferketten ausspricht, sei es zuletzt durch die Automobilkonzerne oder Tchibo, befürchten wir als AK Rohstoffe, dass die Politik weiterhin hinter den Notwendigkeiten zurückbleibt. Wir treten für eine umfassende Rohstoffwende ein, die den Verbrauch reduziert, Produktions- und Konsummodelle verändert und menschenrechtliche und ökologische Auswirkungen auf ein Minimum reduziert. Zu diesem Thema veranstalten wir am 24./25. Juni in Berlin unseren jährlichen Crashkurs Rohstoffpolitik, zu dem wir herzlich einladen!

In diesem Sinne wünschen wir eine spannende Lektüre,

Merle Groneweg, Michael Reckordt und Camillo Westerhoff
(Koordination AK Rohstoffe)

 

Nachrichten:

Deutsche Rohstoffpolitik

BMWi: Neue Herausforderungen für die Rohstoffpolitik: Fortschreibung der Rohstoffstrategie der Bundesregierung

„Die Rohstoffpolitik der Bundesregierung muss dazu beitragen, die Versorgung der Wirtschaft mit Rohstoffen langfristig sicherzustellen, um die industrielle Wertschöpfung zu stärken. Mit der Fortschreibung der Rohstoffstrategie soll sowohl der sichere und wettbewerbsfähige als auch der verantwortungsvolle Rohstoffbezug in den Fokus des industriepolitischen Handelns rücken.“

UBA: Strengere Umweltstandards für Rohstoff-Abbau nötig

„Als Großimporteur hat Deutschland eine Mitverantwortung für die durch Rohstoff-Abbau weltweit verursachten lokalen, regionalen und globalen Umweltschäden. Wir sollten mit der EU auf international verbindliche Umweltstandards entlang der Rohstofflieferkette vom Bergwerk bis zur Rohstoffaufbereitung drängen‘, sagte Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA.“

Spiegel: Ökobilanz – „Bei der Umweltpolitik ist Deutschland Entwicklungsland“

„Unsere wirtschaftlichen Strukturen sind noch nicht an den UN-Nachhaltigkeitszielen ausgerichtet, sodass sie konsequent Ressourcen schonen und die Umwelt schützen. Und wir sind an einem Punkt, wo marginale Verbesserungen auf freiwilliger Basis nicht mehr ausreichen.“

Wirtschaftswoche: Berlin will Autokonzerne zur Lieferketten-Kontrolle zwingen

„Weil große Teile des von Volkswagen, Daimler und BMW verarbeiteten Stahls aus brasilianischen Minen stammen, sieht die Bundesregierung die Autobauer in der Verantwortung. BMW und Daimler sind für gesetzliche Vorgaben zur  Kontrolle von Lieferanten: ‚BMW begrüßt Gesetzesinitiativen, die auf die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltgesetzen fokussieren und Rechtssicherheit schaffen‘, heißt es in München.“

Handelsblatt: Kobalt, Platin, Aluminium: Deutsche Unternehmen bangen um Rohstoff-Nachschub

„Tatsächlich sind die meisten Rohstoffe nicht physisch knapp. Vielmehr erschwert ein wachsender Ressourcennationalismus die Versorgung. In den vergangenen Jahren ist die Zahl handelsbeschränkender Maßnahmen nach Angaben der WVM massiv gestiegen. […] Ob die Bundesregierung die Anliegen der Unternehmen aufgreift, wird sich in Kürze erweisen: Sie will ihre neue Rohstoffstrategie in diesem Jahr präsentieren.“

CSR-News: Müller wirbt für Gesetz zu Lieferketten

„Laut Koalitionsvertrag tritt die Bundesregierung für ‚verbindliche soziale, menschenrechtliche und ökologische Standards in EU-Handels-, -Investitions- und -Wirtschaftspartnerschaftsabkommen‘ ein. Union und SPD haben sich aber auch darauf verständigt, den ‚Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte‘ im kommenden Jahr zu überprüfen.“

Spiegel: Menschenrechte jetzt noch billiger!

„Im Akku wird das seltene Element Kobalt verbaut. Können Sie dem Hersteller glauben, wenn er versichert, das sei nicht von Kindern in einer Mine im Kongo geschürft worden?“

DLF: Recycling von Elektroschrott – Ist die Kreislaufwirtschaft eine Illusion?

„Das Grundwasser ist verseucht, der Boden auch, und auch die Gesundheit der Menschen, die dort arbeiten, die sind alle gefährdet. Nicht nur die Leute in der Umgebung, sondern in ganz Accra.‘ […] Gerd Müller hat eine Initiative angestoßen, Geld bewilligt. Das Ziel ist, in Agbogbloshie eine moderne Recyclingwirtschaft aufzubauen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.“

EUWID: BMU will konkrete Vorschläge für Rezyklat-Einsatzquoten in Produkten

„Die Kreislaufwirtschaft benötige in Zukunft neue wirtschaftspolitische Instrumente, die den klimaverträglichen Einsatz von Recyclingrohstoffen deutlich erhöhen, so der Wissenschaftler. […] Aktuell hakt es nicht unbedingt beim Recycling, wohl aber beim Einsatz der Rezyklate: Faulstich zufolge machen Recyclingrohstoffe derzeit lediglich 10 bis 14 Prozent der bei Neuprodukten eingesetzten Ressourcen aus.“

Frankfurter Rundschau: Regelt den Wettlauf um Metalle

„Unternehmen, die Minerale und Metalle importieren und nutzen, müssen sich in Einklang mit weltweit anerkannten internationalen Normen und Rahmenstrukturen daran halten und zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie es nicht tun. Die Bergbaufirmen, Metallhändler und Banken, die von den Ressourcen unseres Planeten profitieren, müssen über ihre Rhetorik zum Thema verantwortungsbewusste Beschaffung hinausgehen.“

HIB: Rohstoffabbau im Weltraum

„Berlin: (hib/PEZ) Die Bundesregierung schätzt die Chancen für eine wirtschaftlich lohnende Gewinnung von Rohstoffen aus dem Weltraum aktuell als gering ein. Bisher lägen weltweit keine konkreten Erschließungsprojekte für Rohstoffe vor, heißt es in der Antwort (19/6326) auf eine Kleine Anfrage (19/5687) der FDP-Fraktion. Auch wisse man nichts über die Rentabilität eines Weltraumbergbaus.“

 

Deutsche Unternehmen / Verbände

Spiegel: Tödliche Schlammlawine in Brasilien – Interne Dokumente belasten TÜV Süd

„Staatsanwalt Coelho erhebt schwere Vorwürfe. Der TÜV Süd und der Bergbaukonzern Vale, für dessen Eisenerzmine Córrego do Feijão der Katastrophendamm gebaut worden war, hätten die ‚Gefahr eines Dammbruchs in Kauf genommen‘, sagte er dem SPIEGEL. Und damit auch ‚den Tod Hunderter Menschen‘.“

Cluster Verkehr, Mobilität und Logistik: Volkswagen nutzt TerraScan zur Sicherung von Lithium und Kobalt

„Dieses Projekt ist stellvertretend für unsere Fähigkeit, Investoren und strategischen Entscheidern Detailkenntnisse, Optionen und Entscheidungsgrundlagen für die Sicherung von Rohstoffquellen innerhalb nützlicher Frist und sehr früh in der Entscheidungsfindung zu beschaffen, ohne sogleich aufwendige Untersuchungen vor Ort durchführen zu müssen.‘ Jörg Enge, Geschäftsführer und Gründer, TerraScan GmbH.“

Scholz-Recycling: Rohstoffwende jetzt: Führende deutsche Recyclingunternehmen fordern Nationalen Rat Recycling

„Deutschland muss nach Auffassung der beiden führenden deutschen Metallrecycler Scholz und TSR dringend die Rohstoffwende einleiten. Trotz hoher Sammelquoten wird in Deutschland zu wenig recycelt. Schätzungsweise weniger als ein Fünftel der Rohstoffe in der deutschen Industrie kommt aus wiederverwertetem Material, heißt es in einem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten gemeinsamen Positionspapier beider Unternehmen. Sie fordern darin die Politik auf, einen Nationalen Rat für Recycling zu schaffen.“

 

Europäische Unternehmen und Rohstoffpolitik

Miningwatch: Certej proposal blocked: Cluj Tribunal cancels urban plan for the mine

„The Cluj Tribunal has cancelled the zonal urban plan (Planul Urbanistic Zonal – PUZ) required for permitting the mine site. In the absence of a valid PUZ, construction permits for the mine site can no longer be issued. […] Similar to the halted Rosia Montana mine, Romanians generally associate the Certej proposal with corruption at the highest political level.“

The ecologist: The UK Government and industry players are looking to revitalise domestic mining, placing communities and ecosystems under threat

„New exploration and mining projects focusing on minerals and metals used in renewables, electronics, industrial automation and military technology have garnered strong government support. Existing projects include extensive gold exploration across Northern Ireland and the Scottish highlands, a proposed lithium extraction project in Cornwall and tin and tungsten mining in Devon and Cornwall.“

FLEX: FLEX welcomes recommendations to give Modern Slavery Act ‚transparency‘ requirement more teeth

„The report makes clear that it is time for government to step up and make businesses take this legislation seriously. […] Companies are not yet pulling their weight under the terms of the Modern Slavery Act. The report has recognized that too many businesses continue to treat compliance with this legislation as discretionary rather than obligatory.“

 

Spotlights in Afrika, Asien und Lateinamerika

Business & Human Rights Resource Centre: Peru: Carlyle portfolio security company allegedly beat two indigenous women protesting the environmental impacts of Glencore mine

„Peasant Andean women Francisca Umasi-Ihui and Vidal Coaquira-Umasi who were participating in protests over harms on their crops and water sources allegedly caused by Antapaccay Glencore mine allegedly were attacked by armed security company Grupo Liderman (part of Carlyle Group) and police officers. The Business & Human Rights Resource Centre invited Carlyle and Glencore to respond to the allegations.“

Bloomberg: DRC: At least 18 people died after a collision between a truck carrying acid to Glencore’s mine and two other vehicles

„At least 18 people died when a truck transporting sulphuric acid to a mine owned by Glencore Plc in the Democratic Republic of Congo crashed and spilled its contents onto two vehicles a provincial health minister said.“

 

Tiefseebergbau

Piango: Pacific Island governments cautioned about seabed mining impacts

„[…] Who will benefit?  If mining was the panacea to the economic issues of the Pacific, we’d have solved all our problems long ago. Instead the environmental and social impacts of mining have made our peoples poorer.’ Ms Duituturaga said.“

BMWi: BMWI stellt neuen Forschungsschwerpunkt „MARITIME.value“ zur umweltfreundlichen und wirtschaftlichen Nutzung von Ressourcen im Meer vor

„Norbert Brackmann, Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft: ‚Durch die Megatrends Elektromobilität und Digitalisierung gewinnt das Meer als Quelle für wertvolle Rohstoffe und Energie zunehmend an Bedeutung. Dabei gilt es, nicht nur wirtschaftliche, sondern umweltschonende und nachhaltige Technologien zur Erschließung und Verarbeitung von Rohstoffen für Zukunftstechnologien zu entwickeln.‘ […] Die Bundesregierung stellt für die maritime Forschung in den kommenden vier Jahren insgesamt 215 Millionen Euro zur Verfügung, um die maritime Branche bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen zu unterstützen.“

Deep Sea Mining Campaign: Nautilus seeks financial protection

„This is a ‚distressed fire sale‘ of their assets which are primarily the machines that Nautilus built for Solwara 1. These rusting metal hulks are untested in the environment they need to work in, which is specifically to mine hydrothermal vents. This method of deep sea mining seems to be growing more unpopular over time. A recent UK House of Commons report recommended that the UK not engage in mining active hydrothermal vents. Who will be buying these bespoke machines with no support vessel?“

Spiegel: Wie Firmen in der Tiefsee neue Rohstoffe schürfen wollen

„Matthias Haeckel: ‚Die Internationale Meeresbodenbehörde ist momentan dabei, die Abbauregularien zu entwerfen. Unser Forschungsprojekt liefert hierfür die wissenschaftlichen Grundlagen, um Umweltschäden minimieren zu können und Umweltstandards sowie Grenzwerte festzulegen. Es ist gut, dass Deutschland sich vor allem in diesem Bereich stark engagiert.’“

 

Sonstiges

FactorY: Weltweit steigender Ressourcenverbrauch treibt Klimawandel und Artenverlust

„Seit 1970 hat sich der Abbau von Rohstoffen mehr als verdreifacht. Geht es so weiter, wird sich der Ressourcenverbrauch bis 2060 auf 190 Milliarden Tonnen pro Jahr verdoppelt haben – und damit werden die Treibhausgasemissionen um 43 Prozent steigen. Denn Abbau und Verarbeitung von Materialien, Brennstoffen und Nahrungsmitteln verursachen die Hälfte der globalen Treibhausgasemissionen und über 90 Prozent des Verlusts an biologischer Vielfalt und Belastung der Gewässer. Mit seinem neuen Prognosebericht fordert die UN politische Maßnahmen zu einer rohstoffschonenden, ressourceneffizienten, zirkulären Wirtschaft.“

NZZ: NGO soll Einblick in detaillierte Goldimportstatistik erhalten

„Der Goldhandel gerät immer wieder in die Schlagzeilen, denn Gold wird oft unter menschenrechtswidrigen Bedingungen geschürft. Ein großer Teil der weltweiten Goldproduktion wird von Schweizer Goldschmelzen raffiniert. Woher das Edelmetall stammt und unter welchen Umständen es gewonnen wurde, ist laut einem Bericht des Bundesrats, der im November veröffentlicht wurde, nicht immer klar.“

 

Publikationen

BUND: Tiefseebergbau

DERA: Rohstoffinformationen

OECD: Global Material Resources Outlook to 2060

BMZ: Der Goldsektor in Deutschland

Inkota: Kobalt. Kritisch

WEED: Am anderen Ende der Lieferkette

PowerShift: Mit Konzernklagen gegen Umweltschutz

 

Impressum

Sie können den Newsletter unter http://ak-rohstoffe.de/ abonnieren.

AK Rohstoffe ist ein Netzwerk von deutschen Nichtregierungsorganisationen, die sich für Menschenrechte, soziale Standards und Umweltschutz einsetzen. Seit 2008 trifft sich der AK Rohstoffe regelmäßig und diskutiert negative Auswirkungen des (metallischen und nichtmetallischen) Rohstoffabbaus in den Ländern des globalen Südens und Nordens sowie die politischen Trends, die diese bedingen. Seit dem 1. Mai 2013 existiert ein Koordinationsbüro in Berlin.

Herausgeber: Michael Reckordt; Kontakt: michael.reckordt@power-shift.de; 030 42805479. Dieser Newsletter wurde gefördert von Engagement Global im Auftrag des BMZ.

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